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In-vitro-Diagnostika (IVD): Medizinprodukt, BfArM & In-vitro-Diagnostik

Die In-vitro-Diagnostik (IVD) spielt eine entscheidende Rolle im modernen Gesundheitswesen. Sie umfasst eine Vielzahl von Tests und Verfahren, die außerhalb des menschlichen Körpers durchgeführt werden, um Informationen über den Gesundheitszustand einer Person zu gewinnen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der In-vitro-Diagnostik, von ihrer Definition und Bedeutung bis hin zu den regulatorischen Anforderungen und Anwendungsgebieten. Dabei werden auch die Rolle des BfArM und die Unterschiede zwischen IVD-Richtlinie und IVD-Verordnung beleuchtet.

Was sind In-vitro-Diagnostika?

Definition und Bedeutung

In-vitro-Diagnostika, oft als IVD abgekürzt, sind Medizinprodukte, die dazu bestimmt sind, in vitro, also außerhalb des menschlichen Körpers, an Proben wie Blut, Urin oder Gewebe durchgeführt zu werden. Diese Tests liefern wichtige Informationen für die Diagnose, Überwachung, Vorhersage und Prävention von Krankheiten. Der Nachweis von Krankheitserregern, die Bestimmung von Biomarkern und die Überprüfung der Kompatibilität von Blutprodukten sind typische Anwendungsfälle der In-vitro-Diagnostik. Ihre Bedeutung liegt in der Unterstützung einer präzisen und frühzeitigen Diagnostik, was zu einer verbesserten Patientenversorgung führt.

Typen von IVDs

Es gibt eine breite Palette von In-vitro-Diagnostika, die sich in ihrer Komplexität und ihrem Anwendungsbereich unterscheiden. Diese IVDs lassen sich unter anderem wie folgt differenzieren:

  • Nach dem potenziellen Risiko für den Patienten (Produkte für den Eigengebrauch vs. Produkte für medizinisches Fachpersonal)
  • Nach ihrer Funktion (Diagnostika für Infektionskrankheiten, genetische Tests, Tests zur Überwachung von Therapien)

Einfache Tests wie Schwangerschaftstests für den Heimgebrauch fallen ebenso unter die IVD wie komplexe molekularbiologische Analysen in spezialisierten Laboratorien.

Anwendungsgebiete der In-vitro-Diagnostik

Die Anwendungsgebiete der In-vitro-Diagnostik sind vielfältig und umfassen nahezu alle Bereiche der Medizin. In der Infektionsdiagnostik ermöglichen IVDs den Nachweis von Bakterien, Viren und anderen Krankheitserregern. In der Onkologie werden sie zur Früherkennung von Krebs, zur Bestimmung des Tumorstadiums und zur Überwachung des Therapieerfolgs eingesetzt. Auch in der Kardiologie, Diabetologie und vielen anderen Fachgebieten spielen IVDs eine unverzichtbare Rolle. Die In-vitro-Diagnostik trägt somit maßgeblich zur Verbesserung der Patientenversorgung und zur Effizienz des Gesundheitssystems bei. Die Entwicklung neuer und innovativer IVDs treibt den Fortschritt in der Medizin weiter voran.

Medizinprodukte in der In-vitro-Diagnostik

Regulation von Medizinprodukten

Die Regulation von Medizinprodukten, einschließlich der In-vitro-Diagnostika, ist ein komplexes Feld, das durch verschiedene Gesetze und Verordnungen geregelt wird. In Europa ist die IVDR, die EU-Verordnung 2017/746, von zentraler Bedeutung. Sie legt die Anforderungen an die Sicherheit und Leistungsfähigkeit von IVDs fest. Die Einhaltung der IVDR ist Voraussetzung für die Zulassung und das Inverkehrbringen von In-vitro-Diagnostika. Das BfArM spielt eine wichtige Rolle bei der Überwachung und Durchsetzung dieser regulatorischen Anforderungen in Deutschland. Ein Medizinprodukt muss hohe Standards erfüllen, um die Sicherheit des menschlichen Körpers zu gewährleisten.

Unterschied zwischen Medizinprodukten und IVDs

Obwohl In-vitro-Diagnostika unter den Begriff Medizinprodukt fallen, gibt es wesentliche Unterschiede. Medizinprodukte umfassen ein breites Spektrum an Instrumenten, Apparaten und Geräten, die für die Diagnose, Prävention oder Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden. IVDs hingegen sind spezielle Medizinprodukte, die an Proben, die vom menschlichen Körper stammen, wie Blut oder Urin, durchgeführt werden, um Informationen über den Gesundheitszustand einer Person zu liefern. Die Klassifizierung und das Konformitätsbewertungsverfahren können sich daher erheblich unterscheiden. Ein In-vitro-Diagnostikum muss spezifische Anforderungen erfüllen, die in der IVDR festgelegt sind, um eine korrekte Diagnostik zu gewährleisten.

Sicherheits- und Qualitätsstandards

Sicherheits- und Qualitätsstandards sind von entscheidender Bedeutung für In-vitro-Diagnostika, um die Zuverlässigkeit der Ergebnisse und den Schutz der Patienten zu gewährleisten. Die IVDR legt strenge Anforderungen an die Leistungsbewertung, die klinische Evidenz und die Überwachung nach dem Inverkehrbringen fest. IVD-Hersteller müssen ein Qualitätsmanagementsystem gemäß Anhang I einrichten und aufrechterhalten, um die Konformität mit der Verordnung sicherzustellen. Die korrekte Anwendung der In-vitro-Diagnostika durch qualifiziertes Personal ist ebenso wichtig, um Fehlinterpretationen und falsche Diagnosen zu vermeiden. Nur durch die Einhaltung dieser Standards kann das Vertrauen in die In-vitro-Diagnostik und ihre Ergebnisse gewährleistet werden.

Zulassung von IVDs

Prozess der Zulassung durch das BfArM

Die Zulassung von In-vitro-Diagnostika (IVDs) in Deutschland obliegt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Der Prozess umfasst die Überprüfung der Konformität des Medizinprodukts mit den geltenden regulatorischen Anforderungen, insbesondere der IVDR. IVD-Hersteller müssen eine umfassende Dokumentation vorlegen, die die Sicherheit, Leistungsfähigkeit und klinische Validität des In-vitro-Diagnostikums belegt. Das BfArM bewertet diese Unterlagen und kann zusätzliche Prüfungen oder klinische Daten anfordern, bevor es die Zulassung erteilt. Die Klassifizierung des IVDs spielt dabei eine entscheidende Rolle.

IVD-Hersteller und deren Verantwortlichkeiten

IVD-Hersteller tragen die Hauptverantwortung für die Konformität ihrer Produkte mit der IVDR. Sie müssen ein Qualitätsmanagementsystem gemäß Anhang I einrichten und aufrechterhalten, das alle Aspekte des Produktlebenszyklus abdeckt – von der Entwicklung über die Herstellung bis hin zur Überwachung nach dem Inverkehrbringen. Die IVD-Hersteller müssen eine Risikobewertung durchführen, die Leistungsbewertung sicherstellen und die klinische Evidenz für ihre In-vitro-Diagnostika erbringen. Zudem müssen sie ein Vigilanzsystem unterhalten, um Vorkommnisse zu melden und Korrekturmaßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit der Medizinprodukte zu gewährleisten.

Wichtige Richtlinien und Verordnungen

Neben der IVDR sind weitere Richtlinien und Verordnungen für die Zulassung und den Vertrieb von In-vitro-Diagnostika relevant. Das Medizinproduktegesetz (MPG) und die dazugehörigen Verordnungen legen die nationalen Anforderungen fest. Die Einhaltung harmonisierter Normen, die vom Europäischen Komitee für Normung (CEN) entwickelt wurden, kann die Konformität mit den grundlegenden Anforderungen der IVDR erleichtern. Für Inhouse-IVD, die innerhalb von Gesundheitseinrichtungen hergestellt und verwendet werden, gelten besondere Anforderungen, um die Qualität und Sicherheit zu gewährleisten. Diese regulatorischen Rahmenbedingungen sollen die Patientensicherheit gewährleisten.

Die neue IVD-Richtlinie (IVDR)

Änderungen durch die IVDR

Die IVDR, die EU-Verordnung 2017/746, hat die bisherige IVD-Richtlinie 98/79/EG abgelöst und bringt wesentliche Änderungen für die In-vitro-Diagnostik mit sich. Eine der wichtigsten Änderungen ist die Einführung einer risikobasierten Klassifizierung von IVDs, die zu strengeren Konformitätsbewertungsverfahren für höherriskante Produkte führt. Die Anforderungen an die klinische Evidenz und die Leistungsbewertung wurden verschärft, um eine höhere Qualität und Zuverlässigkeit der Diagnostika zu gewährleisten. Die IVDR legt auch großen Wert auf die Transparenz und Rückverfolgbarkeit von Medizinprodukten.

Auswirkungen auf Hersteller und Produkte

Die IVDR hat erhebliche Auswirkungen auf IVD-Hersteller und ihre Produkte. Die Hersteller müssen ihre Qualitätsmanagementsysteme an die neuen Anforderungen anpassen und umfassende klinische Daten für die Leistungsbewertung ihrer In-vitro-Diagnostika vorlegen. Die Klassifizierung von IVDs gemäß der IVDR kann dazu führen, dass Produkte, die zuvor als geringes Risiko eingestuft wurden, nun einer strengeren Überprüfung unterliegen. Dies erfordert zusätzliche Ressourcen und Investitionen in die Konformitätsbewertung. Die Einhaltung der IVDR ist jedoch unerlässlich, um den Zugang zum europäischen Markt zu erhalten.

Zukunft der In-vitro-Diagnostik unter der IVDR

Die Zukunft der In-vitro-Diagnostik unter der IVDR sieht eine Stärkung der Patientensicherheit und eine Verbesserung der Qualität von Diagnostika vor. Durch die strengeren Anforderungen an die klinische Evidenz und die Leistungsbewertung sollen unzuverlässige oder unsichere Medizinprodukte vom Markt genommen werden. Die IVDR fördert die Innovation und Entwicklung neuer, hochwertiger IVDs, die einen Mehrwert für die Patientenversorgung bieten. Die verstärkte Zusammenarbeit zwischen Herstellern, Behörden und Gesundheitseinrichtungen ist entscheidend, um die Herausforderungen der IVDR zu meistern und die Vorteile der In-vitro-Diagnostik voll auszuschöpfen. Die Anpassung an die IVDR ist ein notwendiger Schritt, um die In-vitro-Diagnostik zukunftssicher zu machen.


ÜBER DIE AUTORIN

Daria Neubauer

Daria Neubauer

Daria Neubauer ist bei der Fernakademie für Medizinprodukteberater für die Betreuung unserer Partner verantwortlich. Um ausführlich über die Medizinprodukteberater Schulung zu informieren, schreibt sie außerdem regelmäßig Artikel in unserem Blog.

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